Als der Gründer der Marke Citroën Mitte 1935 verstarb, verschwand das Unternehmen nicht mit ihm. Seine Autos rollten weiterhin über die Straßen Frankreichs und des übrigen Europas – und sie hörten nie auf. In diesem Artikel verfolgen wir die Geschichte der Citroën-Automobilproduktion von der Ära nach André bis in die Gegenwart und ergründen, warum diese legendäre französische Marke bis heute so relevant geblieben ist.
Was geschah mit Citroën nach dem Tod seines Gründers?
Die Werksführungen, die André Citroën einst Touristen und VIP-Gästen angeboten hatte, wurden eingestellt. Das Citroën-Fanfarenorchester wurde aufgelöst. Es dauerte drei Jahre, bis 1938 am Javel-Kai eine kleine Büste von André Citroën aufgestellt wurde. Und dennoch lief die Produktion ohne Unterbrechung weiter – denn der Triumphzug des legendären 7CV Traction Avant hatte bereits begonnen.
Der Traction Avant hinterließ rasch seinen Stempel und schaffte es auf die Liste der zehn besten Autos des 20. Jahrhunderts. Seine frühe Erfolgsbilanz spricht für sich:
- Juni 1935: Der Traction Avant absolvierte die automobile Tour de France und legte dabei in 77 Stunden mehr als 5.000 km durch Frankreich und Belgien zurück.
- Oktober 1935: Er absolvierte die 5.400 km lange Rundreise von Paris nach Moskau in nur 81 Stunden.
Alle in die Entwicklung des Traction Avant investierten Mittel amortisierten sich innerhalb von zwei Jahren und erwirtschafteten für die neuen Eigentümer des Unternehmens stetige Gewinne. Der Michelin-Konzern – der das Vermögen von Citroën übernommen hatte – unterstützte die Automobilproduktion weiterhin, führte technische Innovationen ein und drosselte dabei die Werbeausgaben.
Pierre-Jules Boulanger und die neue Ausrichtung von Citroën
Das Ingenieur- und Designteam wurde von André Lefebvre geleitet, während der neue Direktor der Automobilwerke, Pierre-Jules Boulanger, die administrative Seite verantwortete. Entscheidend war, dass die Unternehmensausrichtung dem ursprünglichen Leitbild von André Citroën treu blieb: zugängliche, innovative Autos für jedermann.
1937 stellten die Citroën-Designer die ersten Prototypen eines kühnen neuen Projekts vor, das ursprünglich „Très Petite Voiture” (Sehr kleines Auto) hieß. Als französische Antwort auf den Volkswagen für das Volk konzipiert, taufte die französische Öffentlichkeit es liebevoll „Deux chevaux” (Zwei PS) nach seiner bescheidenen Motorleistung.
Auf dem Pariser Automobilsalon 1948 präsentiert, wurde der Citroën 2CV zum meistverkauften und langlebigsten Modell der Marke. Die wichtigsten Fakten zu diesem Kultauto:
- Produziert von 1948 bis 1990 – eine Produktionslaufzeit von über 42 Jahren.
- Mehr als 5,1 Millionen Einheiten wurden gebaut.
- Als „Regenschirm auf Rädern” bezeichnet, wurde er zur französischen Antwort auf den VW Käfer: einfach, erschwinglich und allgemein geliebt.
Der Citroën DS: Die „Göttin”, die die Automobilwelt erschütterte
Schon 1938 hatte Pierre Boulanger begonnen, darüber nachzudenken, was den Traction Avant schließlich ablösen sollte. Seine Vision: ein in Serie gefertigtes Oberklasseauto, das seinesgleichen sucht. Die Entwicklung dauerte fast ein Jahrzehnt und wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen.
Als der Citroën DS im April 1955 schließlich vorgestellt wurde, sorgte er für eine Sensation. Seine futuristische Formgebung war wie nichts, was man zuvor gesehen hatte, und der Name selbst war eine Eingebung – auf Französisch wird „DS” wie „Déesse” ausgesprochen, was „Göttin” bedeutet. Die Zahlen erzählen die Geschichte seiner Wirkung:
- 800 Bestellungen in der ersten Ausstellungsstunde.
- ca. 12.000 Bestellungen bis Ende des ersten Tages.
- ca. 80.000 Bestellungen innerhalb der ersten Woche.
Über seine aufsehenerregende Optik hinaus brachte der DS-19 eine Welle technologischer Innovationen mit sich, die ihrer Zeit weit voraus waren:
- Einsatz von Aluminium- und Kunststofflegierungen in der Bauteilfertigung.
- Scheibenbremsen sowie Servo-Lenkung und -Bremsung.
- Ein revolutionäres hydropneumatisches Adaptivfederungssystem, das einen außergewöhnlich komfortablen Fahrkomfort sicherstellte und es dem Fahrer ermöglichte, die Karosseriehöhe zu heben oder zu senken.

Weltweiten Ruhm erlangte der DS 1962 nach dem Attentat auf Präsident de Gaulle. Von Kugeln durchsiebt und mit geplatzten Reifen fahrend, blieb das Fahrzeug auf der Straße und brachte den Präsidenten in Sicherheit. Es ist kaum verwunderlich, dass französische Staatsoberhäupter seither eine besondere Zuneigung zu Citroën hegen.
Pierre Boulanger spielte auch im Krieg eine entscheidende Rolle: Indem er deutsche Aufträge während der Nazi-Besatzung Frankreichs sabotierte, sorgte er dafür, dass die Citroën-Werke nach dem Zweiten Weltkrieg nie verstaatlicht wurden und fest im Eigentum des Michelin-Konzerns verblieben.
Die Rückendeckung durch Michelin erwies sich als enormer Vorteil. Innerhalb weniger Nachkriegsjahre wurde Citroën zum erfolgreichsten Automobilunternehmen Frankreichs – in der Produktionsleistung nur noch hinter dem staatlichen Renault.
Citroën in den 1960er und 1970er Jahren: Expansion und eine wegweisende Fusion
In den 1950er und 60er Jahren produzierte Citroën weiterhin Frontantriebsfahrzeuge in der Tradition des Traction Avant, die alle von dem Team entwickelt wurden, das André Citroën in den 1930er Jahren zusammengestellt hatte. Die 1960er Jahre waren eine Zeit bedeutenden Wachstums:
- Ein Lizenzabkommen mit dem jugoslawischen Unternehmen Tomos ermöglichte die Produktion des 2CV im Ausland.
- Der Ami 6 ging in der Bretagne in Produktion.
- Citroën weitete die Fertigung auf Kanada, Chile und Afrika aus.
- Das Unternehmen erwarb eine Mehrheitsbeteiligung an Maserati.
- Eine Partnerschaft mit dem deutschen Unternehmen NSU-Motorenwerke führte zur Gründung des gemeinsamen Produktionsunternehmens Comobil in Genf.
1975 wurde das legendäre Werk am Javel-Kai – das im Laufe seiner Geschichte mehr als drei Millionen Autos produziert hatte – nach dem Ende der DS-Produktion geschlossen.
Die 1970er Jahre brachten neue Herausforderungen. Da Michelin sich auf sein Kerngeschäft mit Reifen konzentrierte und die Ölkrise die durstigeren Modelle hart traf, gingen Citroëns Verkaufszahlen zurück. Das Ergebnis war ein wegweisendes Abkommen: 1976 erwarb Peugeot 90 % der Citroën-Anteile von Michelin, die verbleibenden 10 % wurden an der Börse gehandelt. Die französische Regierung verlangte, dass beide Marken als eigenständige Labels auf dem Markt blieben – im In- und Ausland miteinander konkurrierend –, während sie technische, finanzielle und administrative Ressourcen zur Senkung der Produktionskosten gemeinsam nutzten.
Citroën in den 1980er und 1990er Jahren: Neuausrichtung, Technologie und Rückkehr zum Motorsport
Die 1980er Jahre brachten nicht nur Produktionsverbesserungen, sondern auch eine bedeutende Neugestaltung der Marke. Highlights dieser Ära:
- Ein neues rot-weißes Logo ersetzte das klassische Blau-Gelb.
- Die Hauptverwaltung zog von Paris nach Neuilly-sur-Seine um.
- Citroën investierte erheblich in computergestütztes Design und erwarb den leistungsstarken Cray XMP/14-Supercomputer.
- Die Gesamtinvestitionen in diesem Zeitraum erreichten 7,5 Milliarden Franc, davon 1,2 Milliarden für Forschung und Entwicklung.
- Die Investitionen trugen Früchte, darunter das Flaggschiff-Modell Citroën XM.
Anfang der 1990er Jahre kehrte Citroën offiziell mit dem ZX Rally-Raid-Team in den Motorsport zurück. Neue Modelle kamen in rascher Folge auf den Markt:
- Citroën ZX – das Comeback-Modell, das die Rally-Kampagne einleitete.
- Citroën Xantia, Saxo, Xsara und Évasion – Erweiterung des Angebots über verschiedene Segmente.
- 1992: Das Citroën-Institut wurde eröffnet, das der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter des Unternehmens gewidmet ist.

Ein Wendepunkt kam 1997, als Jean-Martin Folz das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernahm. Seine Strategie: die finanzielle Gesundheit wiederherstellen und auf eine stärkere Differenzierung zwischen den Citroën- und Peugeot-Modellreihen drängen. Für Citroën war dies der Beginn einer echten Wiederbelebung. Im Jahr 2000 verkaufte die Marke bereits über eine Million Autos pro Jahr.
Citroën im 21. Jahrhundert: Innovation, Crossover und ein Jubiläum
Das neue Jahrtausend begann mit einem Paukenschlag auf dem Pariser Automobilsalon, wo der Citroën C5 sein Debüt feierte. Dieses Modell signalisierte die Rückkehr der Marke zu ihrer alphanumerischen Namensgebung und war vollgepackt mit Ausstattungsmerkmalen:
- Erhältlich als Schrägheck und Kombi.
- Ausgestattet mit der fortschrittlichen Hydractive-III-Hydraulikfederung mit Sport- und Komfortmodus.
- Motorvarianten darunter ein 3,0-Liter-V6 (210 PS) und ein 2,2-Liter-Diesel (136 PS).
Eine Welle bemerkenswerter Markteinführungen folgte in rascher Folge:
- Citroën C3 und das C-Crosser-Concept debütierten auf der Frankfurter Automobilausstellung.
- Das SensoDrive-Robotergetriebe – das erste in der PSA-Gruppe – verband die Vorzüge von Schalt- und Automatikgetriebe und wurde in den 1,6-Liter-16V-Motor des C3 eingebaut.
- 2006: Die Produktion der C4 Picasso-Reihe begann.
- 2007: Der Citroën C-Crosser kam als erster echter Crossover der Marke – ein Siebensitzer, erhältlich mit einem 2,2-Liter-Turbodiesel (156 PS) oder einem 2,4-Liter-Benzinmotor (170 PS).
Die gesamte C-Baureihe wuchs rasch und konnte es mit der Modellvielfalt führender deutscher Hersteller aufnehmen, umfassend den C1, C2, C3, C4, C5, C6 und C8 – vom winzigen Stadtauto bis zur großen Oberklasse-Limousine.
2019 feierte Citroën sein hundertjähriges Bestehen. Seit hundert Jahren befahren Autos mit dem Doppelchevron die Straßen der Welt – in Massenproduktion gefertigt, in hoher Qualität gebaut und stets an der Spitze der ingenieurtechnischen Innovation. Das war die Vision eines kleinen, stämmigen Mannes mit gepflegtem Schnurrbart und Kneifer, der die Welt mit unaufhaltsamem Optimismus betrachtete. Seine Autos erwiesen sich als ebenso dauerhaft wie sein Ehrgeiz – sie überlebten Weltkriege, Wirtschaftskrisen und Unternehmensumbrüche und wurden zu einem der prägenden Symbole Frankreichs.
André Citroëns Vermächtnis lebt nicht nur in den Autos selbst weiter, sondern auch in Paris. Das ehemalige Werksgelände am Javel-Kai wurde in einen wunderschönen zeitgenössischen Park umgewandelt, der heute als Parc André Citroën am Quai André Citroën bekannt ist – eine grüne und moderne Hommage an den Mann, der Frankreich auf Räder stellte.

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Veröffentlicht Dezember 30, 2019 • 8 m zum Lesen