Beide Crossover versprechen mitreißende Leistung dank ihrer 2,0-Liter-Turbomotoren mit über 230 PS. Doch halten der allradgetriebene GAC GS4 und der Jetour T1 wirklich, was sie versprechen? Wir haben beide im direkten Vergleich unter die Lupe genommen.

Exterieur-Design: Robust vs. Sportlich
Der Jetour T1 und der GAC GS4 verfolgen völlig unterschiedliche Designansätze – was sie zu einem ungewöhnlichen Vergleichspaar macht.
Design-Highlights des Jetour T1:
- Robuste, muskulöse Erscheinung
- Kräftige unlackierte Stoßfänger
- Integrierte Einstiegsbretter
- Klassische Türgriffe
- Schwerere, massivere Türen mit solidem Anschlag

Design-Highlights des GAC GS4:
- Niedrigeres, sportlicheres Profil
- Elegante, nach hinten gezogene Dachlinie
- Markanter Heckspoiler
- Bündige Türgriffe (optisch ansprechend, aber problematisch)
Die bündigen Türgriffe des GAC verdienen besondere Erwähnung – allerdings nicht im positiven Sinne. Sie sind umständlich zu bedienen und können an Rucksackgurten oder loser Kleidung hängen bleiben. Glücklicherweise planen chinesische Behörden Berichten zufolge, diese Griffe aus Sicherheitsgründen bei Unfällen zu verbieten.

Innenraumqualität und Ergonomie
Innenraum des Jetour T1
Das Cockpit des T1 bietet ein imposantes SUV-Erlebnis mit:
- Erhöhter Sitzposition mit ausgezeichneter Vorwärtssicht
- Ambiente-Beleuchtung im gesamten Innenraum
- Hochwertigen Materialien und solider Verarbeitungsqualität
- Breiter, vom Fahrersitz aus sichtbarer Motorhaube
- Massivem Schalthebel

Allerdings weist der T1 einige ergonomische Eigenheiten auf. Das achteckige Lenkrad erfordert Gewöhnung, und das Kombiinstrument verwendet ärgerlich kleine Schrift – besonders störend beim Einstellen des adaptiven Tempomaten.
Der große zentrale Touchscreen gleicht dies durch hervorragende Lesbarkeit und umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten aus:
- Steuerung der Ambiente-Beleuchtung
- Design-Themes für das Kombiinstrument
- Einstellungen für das Türöffnungsverhalten
- Klimaanlageeinstellungen
- Konfiguration des Sprachassistenten für alle vier Sitze

Leider sind wesentliche Funktionen wie Spiegelverstellung, Scheinwerferneigung sowie Sitzheizung und -belüftung in Menüs versteckt. Physische Klimabedienelemente sind zwar vorhanden, arbeiten aber inkonsistent – der Automatikbetrieb schwankt die Lüfterdrehzahl ohne erkennbaren Grund ständig.

Besondere Details im Jetour T1:
- Große beleuchtete Sonnenblendenspiegel
- Klimatisiertes Mittelfachfach
- Ablagefach auf dem Armaturenbrett mit Haltegriff für den Beifahrer

Innenraum des GAC GS4
Der GS4 verfolgt einen schlankeren, konventionelleren Ansatz. Sein Highlight ist das Lenkrad – nur leicht am unteren Ende abgeflacht, mit perfekten Griffmulden und perforiertem Leder in den Griffzonen. Auch die Lenkradtasten sind gut gestaltet und intuitiv bedienbar.

Schwächen des GAC GS4-Innenraums:
- Schlechte Übersetzungsqualität im gesamten Infotainmentsystem
- Winzige Schriftgrößen auf den Displays
- Alle Heizungs- und Klimafunktionen erfordern Touchscreen-Navigation
- Nur Einzonen-Klimaanlage
- Elektronik hat Schwierigkeiten mit der Windschutzscheibenentfrostung
- Kein dedizierter Knopf für die Windschutzscheibenheizung (Heizdrähte aktivieren sich nur im vollständigen Entfrostungsmodus)

Rücksitzraum und Kofferraumvolumen
Der Jetour T1 gewinnt überzeugend sowohl beim Rücksitzraum als auch beim Kofferraumvolumen. Beide Fahrzeuge teilen jedoch einige Sparmaßnahmen:
- Kein Laderaumabdeckung im Lieferumfang
- Einfache Seitenwandverkleidungen im Laderaum
- Elektrische Heckklappe öffnet für größere Fahrer nicht weit genug

Fahrleistung und Beschleunigung
Jetour T1 (245 PS)
Trotz seines Leistungsvorteils enttäuscht die Beschleunigung des T1. Das Anfahrverhalten erfolgt in zwei Phasen – zunächst ein zögerliches Halbmeter-Rollen, dann beginnt die eigentliche Beschleunigung. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 9,3 Sekunden – enttäuschend für einen 245-PS-Motor.
Das Getriebe priorisiert sanfte, stufenweise Schaltvorgänge gegenüber sportlichem Ansprechverhalten. Dies scheint dem Schutz der Reibelemente des Automatikgetriebes zu dienen, dämpft aber das Fahrerlebnis erheblich.

GAC GS4 (231 PS)
Der GS4 beschleunigt trotz geringerer Nennleistung spürbar schneller. Sein Automatikgetriebe schaltet entschlossener, und das Fahrzeug bietet eine einzigartige Funktion: fünfstufige Anpassung der Gaspedalempfindlichkeit. Dies ermöglicht Fahrern, zwischen reaktionsschnellem Autobahnverhalten und gedämpften Eingaben im Stadtverkehr zu wählen.

Bremsen und Fahrverhalten
Bremsleistung
Der GAC GS4 zeigt überlegenes Bremsvertrauen und taucht bei starkem Bremsen weniger ein. Das übermäßig empfindliche Bremspedal des Jetour T1 wirkt inkonsistent mit seinem robusten Geländewagen-Image.

Fahrverhalten auf der Straße
Vorteile des GAC GS4:
- Strafferes, ausgewogeneres Fahrwerk
- 55er-Bereifung bietet weniger Seitenwandflex
- Besseres Einlenkansprechverhalten
- Lebendigeres Lenkgefühl (im „Komfort”-Modus)
Die Lenkmodi des GS4 erfordern sorgfältige Auswahl – der „Leicht”-Modus ist zu wenig rückmeldend, während der „Sport”-Modus künstlich schwer wirkt. Selbst an der Grenze neigt der GS4 zu sicherem Untersteuern und reagiert nicht gut auf Lastwechsel-Übersteuer-Techniken. Das Stabilitätssystem kann nicht vollständig deaktiviert werden – nur die Traktionskontrolle lässt sich deaktivieren, und das nur unterhalb von 83 km/h.
Fahrverhalten des Jetour T1 auf der Straße:
Der T1 ist schlicht nicht für aggressives Kurvenfahren ausgelegt. Das Lenkansprechen ist weich mit geringer Sensitivität, und die Haftungsgrenzen werden früh erreicht. Interessanterweise ist der „Sport”-Modus die am besten geeignete Einstellung für alle Fahrsituationen – er sorgt für akzeptables Gasansprechen und verleiht der Lenkung etwas Rückmeldung.

Geländetauglichkeit
Hier glänzt der Jetour T1 wirklich und der Vergleich dreht sich vollständig um.
Geländestärken des Jetour T1:
- Langhub-Federung mit hoher Kapazität
- 60er-Bereifung absorbiert unebenes Gelände
- Komfortabel bei 80 km/h auf Straßen, wo der GAC bei 50 km/h zu scheppern beginnt
- Robuste Stoßfänger für maximale Böschungswinkel vorne und hinten (nahezu 1,5-mal besser als beim GAC)
- Integrierte Seitentrittbretter schützen die Karosserie
- Überlegene Traktion und Stabilität auf losem Untergrund

Erweiterte Geländefunktionen:
- Schlamm- und Sand-Fahrmodi
- Umfassendes Gelände-Telemetrie-Display mit Anzeige von:
- Roll- und Nickwinkel
- Status des Hinterachssperrdifferenzials
- Zustand der Hinterachszuschaltung
- Automatische Sperrung des Hinterachsdifferenzials und der AWD-Kupplung (elektronische Steuerung je nach Fahrmodus und Eingaben)
- Bewältigt steile rutschige Anstiege und diagonalen Radaushub mühelos
- 60 cm Wattiefe mit Tiefensensor-Radar
- „Transparente Karosserie”-Kameraansicht

Das gedämpfte Gasansprechen, das auf dem Asphalt träge wirkt, wird im Gelände zum Vorteil – es verhindert Radspinn und ruckartige Eingaben.
Kleiner Geländekompromiss: Der Wendekreis des T1 ist fast einen Meter größer als der des GAC, was auf engen Pfaden mehr Rangieren erfordert.
Technologie und Sicht
Kamerasysteme
Beide Fahrzeuge sind serienmäßig mit 360-Grad-Rundumsichtkameras ausgestattet. Der Jetour T1 ergänzt dies um:
- Transparente Karosserie-Ansicht
- Wassertiefensensor-Radar (bis 60 cm)

Sicht
Der Jetour T1 bietet dank folgender Merkmale eine bessere Rundumsicht:
- Höhere Sitzposition
- Größere Glasfläche
- Beide Fahrzeuge verfügen über helle LED-Scheinwerfer mit automatischer Fern-/Abblendlichtumschaltung

Beheizte Ausstattungsmerkmale
Beide Crossover verfügen über beheizbares Lenkrad, beheizbare Windschutzscheibe sowie beheizbare Vorder- und Rücksitze. Jedoch:
- Jetour T1 heizt intensiver
- Jetour-Rücksitzheizung über physische Tasten bedienbar
- GAC-Rücksitzheizung erfordert Touchscreen-Navigation

Audioqualität
Überraschenderweise liefert der GAC GS4 mit seinen sechs namentlich nicht genannten Lautsprechern deutlich bessere Klangqualität als der Jetour T1 mit seinem Neun-Lautsprecher-Sony-System. Dies verhalf dem GAC-Infotainment-Score trotz der schlecht übersetzten Menüs zu einem Plus.

Verarbeitungsqualität und Korrosionsschutz
Ein wesentlicher Unterschied: Der Jetour T1 verfügt über eine vollständig verzinkte Karosserie. Die Prüfung des GAC GS4 ergab eine Zinkbeschichtung nur auf der Innenseite der Heckklappe – ein erhebliches Manko für den langfristigen Rostschutz.
Preisgestaltung und Preis-Leistungs-Verhältnis
Die aktuellen Preise positionieren diese Crossover wettbewerbsfähig:
GAC GS4 AWD:
- Basisausstattung: 42.900 USD
- Topausstattung: 44.700 USD

Jetour T1:
- Comfort: 44.900 USD
- Luxury: 47.000 USD

Beide Fahrzeuge stießen bei ihrer Markteinführung auf starke Nachfrage, wobei die ersten September-Lieferungen schnell ausverkauft waren. Der Reiz ist offensichtlich: Allradgetriebene Crossover mit 2,0-Liter-Turbomotoren und klassischen Automatikgetrieben wecken mehr Interesse als die Flut von Frontantrieb-Modellen mit 1,5-Liter-Turbos und Doppelkupplungsgetrieben.
Bevorstehende Erhöhungen der Entsorgungsgebühren für Fahrzeuge über 160 PS werden die Preise voraussichtlich weiter steigen lassen, was die aktuellen Preise besonders attraktiv macht.
Das Urteil: Welches sollten Sie kaufen?
Wählen Sie den Jetour T1, wenn Sie folgendes priorisieren:
- Geländetauglichkeit und Langlebigkeit
- Innenraumqualität und Materialien
- Höhere Sitzposition und bessere Sicht
- Langfristiger Korrosionsschutz (vollständige Verzinkung)
- Komfort auf schlechten Straßen
- Praktische Innenraum-Staufachlösungen

Wählen Sie den GAC GS4, wenn Sie folgendes priorisieren:
- Straßendynamik und Handling
- Schnellere Beschleunigung
- Bessere Audioqualität
- Kleinerer Wendekreis für das Fahren in der Stadt
- Günstigerer Kaufpreis

Gesamtsieger: Jetour T1
Trotz des schärferen Straßenverhaltens des GAC erzielt der Jetour T1 dank überlegenem Komfort, Verarbeitungsqualität und Geländekompetenz insgesamt mehr Expertenpunkte. In Verbindung mit seiner vollständig verzinkten Karosserie bietet der T1 ein stärkeres langfristiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Allerdings leiden beide Fahrzeuge unter einem modernen automobilen Leiden: Elektronik, die Sicherheit über Fahrspaß stellt. Trotz ihrer beeindruckenden Leistungswerte bietet keines das viscerale Fahrerlebnis, das ältere turboaufgeladene Crossover einst boten. Die Computer haben entschieden, wie man beschleunigt, bremst, schaltet und Kurven fährt – und machen die Fahrer zu Mitfahrern in ihren eigenen Fahrzeugen.
Würden diese elektronischen Helferlein nur etwas feinfühliger arbeiten, könnten wir vielleicht noch echten Fahrspaß finden, anstatt lediglich von A nach B zu reisen – begleitet von Streamingmusik.
Foto: Oleg Rastegaev
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel finden Sie hier: Что выбрать: Jetour T1 или полноприводный GAC GS4? Наш тест
Veröffentlicht Januar 01, 2026 • 12 m zum Lesen